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  • Die 100% richtige Erziehung…

    Schon während meiner ersten Schwangerschaft habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wie man sein Kind “perfekt erzieht”! Schnell wurde mir klar, dass es wie so oft im Leben auch hier keine 100% richtige Linie gibt und allzu großer Perfektionismus einfach nicht angebracht ist…

    Donnerstag las ich dann aber einen Artikel auf Spiegel Online mit dem Titel “Vorsicht, da
    rollt ‘ne Kampfmutter an!”
    , der darauf den ganzen Tag mein mentaler Begleiter war. Okay, ich bin ehrlich: Während des Lesens bezeichnete ich Herrn Mohr als “intoleranten Kerl” oder “faulen Autor, der nur polarisieren will, um so ein wenig abzusahnen”. Schnell legte ich aber den nötigen Ernst beiseite und musste bei Bezeichnungen wie “Pregnancy Hill” oder “Bionade Universum” echt herzhaft lachen!

    Zum Glück für Reinhard Mohr, denn er wohnt nicht weit von hier und ich war kurz davor, mein “Muttigeschwader” zu mobilisieren, um vor seiner Haustür einen Sitzstreik mit bockigen Kleinkindern im Alter zwischen zwei und vier Jahren zu abzuhalten.

    Wie geschrieben, beschäftigte mich der Text trotzdem und ich entschloss mich, etwas über Erziehung in diesem Blog zu posten, da es natürlich ein sehr facettenreiches Thema ist, zu dem es viel zu sagen gibt.

    Mein Mann und ich haben ein paar Grundsätze festgelegt, nach denen wir unsere Tochter großziehen:

    Niemals, niemals, niemals, niemals sollte man sein Kind schlagen

    Als ich letztens die Ergebnisse einer statistischen Erhebung las, wurde mir ganz anders. Diese besagt, dass ca. 50% der deutschen Eltern einen Klaps als angemessene Strafe für ihr Kind empfinden. Ich bin nicht anti-autoritär oder lasse bei meiner Tochter alles durchgehen, aber: Eins sollte sich doch spätestens im dritten Jahrtausend flächendeckend rumgesprochen haben: Schläge bei Kindern sind kontraproduktiv.

    Kinder, die geschlagen werden, bekommen Angst vor ihren Eltern und lügen beim nächsten Mal, damit sie nicht wieder geschlagen werden. Wollt Ihr also, dass Eure Kinder immer ehrlich zu Euch sind, findet die passenden Verbalisierungen, gern scharf und im angemessenen Ton, aber ohne Gewalt.

    Also bitte noch einmal: Falls Ihr anderer Meinung seid, denkt darüber nach. Sätze wie “Ein kleiner Klaps hat noch keinem geschadet” bringen mich auf die Palme. Ich empfinde es als absolutes Armutszeugnis, wenn Eltern ihren Kindern verbal nicht überlegen sind und zu Gewalt greifen müssen. Ja, auch mein Kind bringt mich hin und wieder zur Weißglut – aber Schläge helfen nicht.

    Konsequent sein – zumindest meistens

    Klingt in der Theorie komplett logisch, ist in der Praxis aber manchmal wirklich schwer anzuwenden. Grundsätzlich sind wir konsequent, weil es das Leben einfacher macht. Es gibt jedoch Fälle, bei denen wir nachgeben, da es für das “Gesamtpaket” einfach die bessere Lösung ist. Letztendlich ist hier Fingerspitzengefühl gefordert.
    Merken wir, dass unsere Tochter uns auf der Nase herum tanzen will, bleiben wir aber 100% konsequent.

    Klare Regeln aufstellen

    Klingt spießig, hilft aber enorm: Werden eindeutige Regeln definiert, wissen alle Familienmitglieder, woran sie sich zu halten haben. Werden diese Regeln gebrochen, gibt es Sanktionen.Was in der Weltpolitik meistens nur die Ärmsten der Armen trifft, wirkt im Mikrokosmus der Familie sehr gut. Wird abends beim Zähneputzen nicht mitgearbeitet, fällt nach der dritten Ansage die Gutenachtgeschichte aus. Natürlich gibt es da Tränen, aber diese haben im geringen Maße – im Gegensatz zu einen Klaps – wirklich noch keinem geschadet.

    Lob ist besser als Tadel

    Jeder Mensch wird gern gelobt, weil es eine Honorierung seines Tuns ist. Da geht es Kindern nicht anders. Im Gegenteil: Aktives Lernen muss von Lob begleitet sein. Deswegen werden wir auch nicht müde, alle “tollen Dinge“ unseres Kindes mit einem “Wow!“, “Spitze!“ oder “Wir sind stolz auf Dich“ zu versehen. Außerdem ist es doch viel schöner, sich gemeinsam zu freuen als den Maulepaule um sich zu haben. Für uns als Deutsche leider zu oft schwer vorstellbar…

    Respekt aufbringen und sein Kind ernst nehmen

    Und mögen die Probleme unserer Tochter noch so klein sein, wir nehmen sie ernst und wirken dagegen. Natürlich kann das im täglichen Umgang manchmal nervig sein, aber jeder Mensch empfindet seine Probleme als existenziell und deswegen bringe ich hier auch den nötigen Respekt mit.

    Fördern statt fordern

    Wie ich in einem anderen Artikel über Kinderbücher bereits beschrieben habe, lege ich sehr viel Wert auf lesen. Es macht unheimlich Spaß und meine Tochter lernt dabei eine Menge. Ich merke aber auch, dass es ihr das tägliche Leben komfortabler macht. Sie kann sich sehr gut verbal ausdrücken und kennt gewisse Zusammenhänge schon aus Büchern, die sie dann real so oder abgewandelt durchlebt.
    Hinzu kommen einige andere sinnvolle Dinge, die ihr sehr viel Spaß machen. Ich unterstütze das sehr, achte aber immer darauf, dass sie auch genügend Ruhezeit bekommt.

    Wenn ich ab und zu höre, wie toll einige Eltern es finden, dass ihr Kind im Tennisverein ist, Klavier spielt und dazu noch den Kindersprachclub besucht, fasse ich mir an den Kopf. Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde jedes einzelne Element sehr sinnvoll! Nur denke ich, dass es in Summe ein Kind überfordert und somit nicht gut für die Entwicklung ist.

    Vorbild sein

    Eigentlich auch klar: Was man von anderen Personen erwartet, sollte man selbst ebenfalls einhalten. Jeder kennt die Momente, in denen man bemerkt, dass sein Kind in seinem Verhalten genau diese eine Sache von einem selbst übernommen hat. Manchmal sind es Redewendungen, auf die man nicht wirklich stolz ist, dann sind es wieder sehr positive Erscheinungen. Also strengen wir uns tagtäglich an, ein gutes Vorbild zu sein

    Natürlich gibt es noch viele andere Punkte, an die man sich halten sollte, um sein Kind erfolgreich zu erziehen und natürlich ist das geschriebene Wort in der praktischen Umsetzung teilweise schwer einzuhalten. Ich denke aber, dass dieser Leitfaden wirklich hilft, um ein schönes gemeinsames Familienleben zu generieren und dem eigenen Kind einen hilfreichen Weg ins eigenständige Leben ebnet.